Fahrtechnik • Motorrad auf der Rennstrecke
Blickführung auf der Rennstrecke
Den weiteren Verlauf erkennen, ohne das Geschehen um Sie herum auszublenden.
Die Technik verstehen
Blickführung bedeutet, Informationen gezielt aufzunehmen: Kurvenrichtung, sichtbarer Ausgang, Streckenzustand und andere Fahrer. Weit vorauszusehen heißt nicht, einen entfernten Punkt anzustarren. Blickweite und Blickwechsel müssen zu Tempo und Situation passen; ein allgemeingültiges Zeitintervall im Kopf zu zählen, ersetzt diese Anpassung nicht.[2]
Warum sie auf der Strecke zählt
Spät erkannte Informationen lassen weniger Zeit für Entscheidungen. Wer am Scheitelpunkt hängen bleibt, aktualisiert dagegen das Geschehen weiter vorne nicht. Der Blick bereitet Entscheidungen vor; er lenkt das Motorrad nicht durch Magie und gleicht keine ungeeignete Eingangsgeschwindigkeit aus.[2]
Fehler vermeiden
Den Vordermann fixieren, erst am erreichten Punkt nach dem nächsten suchen oder ausschließlich in die Ferne schauen: Dabei kann ein Teil der Situation unbeachtet bleiben. Den Ausgang zu erkennen bedeutet nicht, Flaggen oder Verkehr zu ignorieren. Bereiten Sie vor, was Sie sehen möchten, statt nur zu wiederholen, wohin Sie nicht schauen wollen.[2]
Schrittweise daran arbeiten
Wählen Sie eine einfache, übersichtliche Kurve, in der Sie sich wohlfühlen. Versuchen Sie in Ihrer Gruppe bei angenehmem Tempo, den weiteren Verlauf zu erkennen, ohne an einem Punkt hängen zu bleiben. Ändern Sie nicht zugleich Bremsen oder Körperposition. Beschreiben Sie danach, wo der Zusammenhang verloren ging. Wenn Sie sich überfordert fühlen oder die Sicht die Übung nicht erlaubt, brechen Sie ab, statt etwas zu erzwingen. Bei jedem Schritt müssen Sie Verkehr und Flaggen weiterhin beachten können.
Was Sie mit Tarmago prüfen können
Notieren Sie an der Kurve etwa „Ausgang spät erkannt“ oder „Vordermann fixiert“. Die Zeitabstände und Sektorzeiten der Rundenanalyse in unseren Telemetrie-Werkzeugen können Unregelmäßigkeiten zur Nachbesprechung zeigen, nicht deren Ursache. Weder eine GPS-Spur noch eine Geschwindigkeit kann bestätigen, wohin Ihre Augen geschaut haben.
In unseren Telemetrie-Werkzeugen zeigt die Rundenanalyse einzelne Rundenzeiten, Zeitabstände, Sektorzeiten mit den Bestwerten in Rot und die nach GPS-Geschwindigkeit eingefärbte Spur. Ergänzen Sie Ihre Beobachtungen über die Streckennotizen, Kurve für Kurve. Prüfen Sie diese Daten im Fahrerlager, niemals als Ablenkung auf der Strecke. GPS-Messungen zeigen weder Ihren Blick noch den Bremshebeldruck oder die Gasgriffstellung.
Die detaillierte Analyse in unseren Telemetrie-Werkzeugen (Geschwindigkeitskurve, ideale Runde und Rundenvergleich) ist Teil des kostenpflichtigen Angebots Tarmago+.
Häufige Fragen
Sollte ich immer eine feste Zahl von Sekunden vorausblicken?
Dieser Leitfaden nennt keine feste Dauer. Tempo, Sicht und Informationsmenge verändern die nötige Blickführung. Üben Sie in einer vertrauten Kurve schrittweise den Blickwechsel zwischen Orientierungspunkten, bei einem Tempo, das Ihnen stets Reserven lässt.
Kann die GPS-Spur meine Blickführung bestätigen?
Nein. Sie zeigt Bewegung und aufgezeichnete Geschwindigkeit, nicht Ihren Blick. Finden Sie damit den Abschnitt und präzisieren Sie Ihre Notizen, ohne daraus Ihre Blickrichtung abzuleiten.
Fachliche Quellen
Die Quellen belegen Grundsätze, keine allgemeingültigen Anweisungen für Ihr Motorrad. Die Übungsvorschläge und die Lehrbuchposition sind redaktionelle Orientierungshilfen von Tarmago, getrennt von den belegten Passagen. Passen Sie sie Ihrer Situation an und gehen Sie in Schritten vor, die Ihre Reserven erhalten. Die Regeln Ihres Veranstalters haben Vorrang vor denen der genannten Schulen.
- [1] Riders Manual v2.0.6 (July 2021)
N2 Track Days ·
https://www.n2td.org/wp-content/uploads/2021/07/N2-Riders-Manual_v2.0.6.pdf
- [2] Speed Is Relative: Training Your Eyes to Slow the Motorcycle Down
Yamaha Champions Riding School ·
https://ridelikeachampion.com/speed-is-relative-training-your-eyes-to-slow-the-motorcycle-down/